Fünf Jahre nach LA PANTHÈRE DES NEIGES – DER SCHNEELEOPARD kehrt Regisseur Vincent Munier mit LE CHANT DES FORÊTS in seine Heimatregion, die Vogesen, zurück. Der Film feierte 2025 beim Zurich Film Festival Schweizer Premiere. Im Interview spricht Munier über Ursprung und Haltung seines stillen Naturfilms.
Vincent Munier, was war der Auslöser für LE CHANT DES FORÊTS? Nach THE VELVET QUEEN wollte ich zurück nach Hause und zeigen, dass Schönheit nicht nur in fernen Weltregionen existiert. In mir hatten sich Bilder, Emotionen und eine Verpflichtung gegenüber dem angesammelt, was mein Vater mir vermittelt hat. Es war Zeit, das zu teilen.
Wie grenzen Sie sich von klassischen Tierdokumentationen ab? Ich habe grossen Respekt vor ihnen, doch sie setzen oft auf Spektakel und dramatische Musik. Mich interessiert Authentizität: Natur so zu zeigen, wie man sie erlebt, wenn man wartet und aufmerksam ist. Man sieht nicht alles, man ahnt und hört zu.
Der Film wirkt sehr poetisch und intim. Wir haben etwas im Umgang mit dem Empfindlichen verloren. Dieser Film ist ein Versuch, das wiederzubeleben. Viele Menschen sind kaum noch berührt von dem, was verschwindet, weil sie es kaum kennen.
Wie haben Sie Erzählung und Bilder entwickelt? Ganz organisch. Ein Grossvater gibt seinem Enkel Wissen weiter, ihre Hütte bildet das Zentrum. Ich bewege mich dazwischen als beobachtende Figur. Ich arbeite wie ein Fotograf: Ich warte auf Licht, Nebel – im Wald hört man, bevor man sieht.
Gab es überraschende Momente? Ständig. Eine Fliege im Gegenlicht, ein Bussard in den Wolken – solche Bilder sind Geschenke. Man kann sie nicht planen, nur bereit sein.
Wie würden Sie die Schönheit des Films beschreiben? Sie ist gewöhnlich und aussergewöhnlich zugleich, direkt vor uns. Während des Lockdowns haben viele Menschen die Natur neu entdeckt. Für mich liegt Schönheit im Alltag, in der Nähe – nicht im Konsum exotischer Orte.
© 2026 kinowetter.ch