Der Iran und die Schweiz prallen in diesem minimalistischen Arthouse-Werk von Romed Wyder kulturell aufeinander – in einem Airbnb.
Die Wohnung gehört Sachas Grosseltern. Der Protagonist zieht sich nach einer Trennung dorthin zurück. Mit der Ankunft der Iranerin Marjan hat er allerdings nicht gerechnet, genauso wenig wie diese mit der Anwesenheit des Schweizers. Genervt von der Situation, gehen sich die beiden zunächst aus dem Weg. Die Atmosphäre wird mitunter von Vorurteilen geplagt, welche sich Marjan geschickt zu eigen macht: «Im Zimmer nebenan wohnt ein Mann. Ich trage ein Kopftuch, damit er mich in Ruhe lässt.»Eine Bereicherung vor der Kamera...
Während Romed Wyder die Entscheidung für den Hauptdarsteller (der Genfer Felipe Castro, der 2004 bereits in Wyders Film «Absolut» mitspielte) einfach fiel, gestaltete sich die Suche des Regisseurs nach einer authentischen iranischen Hauptdarstellerin schwieriger. Marjans Darstellerin sollte nämlich auch ohne Kopftuch vor der Kamera stehen. Schliesslich entschied sich der Filmemacher für die in London lebende Iranerin Pooneh Hajimohammadi.
... und hinter der Kamera
Die Islamophobie in der Schweiz brachte Wyder auf die Idee für den Film: «Dabei sind es doch gerade die uns fremden Kulturen und Arten mit dem Leben umzugehen, die uns zum Denken anregen und uns schliesslich weiterbringen». UNE HISTOIRE PROVISOIRE soll gemäss dem Regisseur die guten Seiten des Multikulturalismus betonen, selbst filmtechnisch: «Manchmal bezogen wir uns auf das klassische iranische Kino mit einem eher langsamen Rhythmus und langen Dialogen, an anderen Stellen aufs westliche Kino, mit einem nachhaltigeren Rhythmus und kurzen Sätzen.»
Filmprognose
Daraus entstand eine poetische Momentaufnahme, welche die Situationskomik voller Neugier ins Rampenlicht stellt und kulturelle Unterschiede mit offenen Armen empfängt.