Fans des unvergessenen Anime-Klassikers PRINZESSIN MONONOKE können das 1997 erschienene Meisterwerk nun endlich in einer vollständig restaurierten Fassung im Kino erleben – eine seltene Gelegenheit, die man nicht verpassen sollte
«Es gibt keinen Sieg im Kampf zwischen der Menschheit und den wilden Göttern», sagt Hayao Miyazaki. PRINZESSIN MONONOKE ist weit mehr als ein Anime: ein archaisches Epos, in dem der Wald selbst zur handelnden Figur wird. Im Zentrum steht Ashitaka, Prinz eines untergegangenen Volkes, der nach der Tötung eines zum Dämon gewordenen Wildschwein-Gottes verflucht wird. Seine Reise führt ihn in einen Konflikt zwischen San, einer von Wölfen aufgezogenen Prinzessin, und Dame Eboshi, die mit ihrem Schmiededorf den Wald für Eisen rodet. Klare Helden oder Schurken gibt es nicht. «Es ist unmöglich, die Beziehung zwischen Mensch und Natur zu zeigen, ohne das Leid anzusprechen», erklärt Miyazaki.Feuer und Lebensstrom
Die Entstehung von PRINZESSIN MONONOKE war ein Kraftakt: Drei Jahre Arbeit, 140’000 Zeichnungen, davon rund 80’000 von Miyazaki selbst überarbeitet. Inspiration fand er im uralten Wald von Yakushima mit seinen moosbedeckten Bergen und der beinahe tierischen Vegetation. Aus dieser Welt entstanden die Waldgötter Moro, Okkoto und der geheimnisvolle Shishigami. Traditionelle Animation verbindet sich mit digitalen Effekten, um Dämonen und Geister eindringlicher wirken zu lassen. «Ich wollte kein Märchen, sondern eine rohe Welt, in der Schönheit und Grauen koexistieren», so Miyazaki.
Seelenschlacht
Die moralische Vielschichtigkeit macht den Film einzigartig: Dame Eboshi zerstört den Wald, schützt aber Ausgestossene und heilt Kranke. San hasst die Menschen, wird jedoch durch Ashitakas Mitgefühl herausgefordert. «Selbst inmitten von Hass ist das Leben lebenswert», schrieb Miyazaki. Mehr als ein ökologisches Gleichnis ist PRINZESSIN MONONOKE eine animistische Tragödie über die Unvereinbarkeit von Natur und Zivilisation. Der Film brach in Japan alle Rekorde und machte seinen Schöpfer zur lebenden Legende.
Fast dreissig Jahre später ist PRINZESSIN MONONOKE aktueller denn je – ein stilles Gebet für die Wälder und ihre unsichtbaren Götter.