In L’ATTACHEMENT – WAS UNS VERBINDET wird eine selbstbestimmte Frau unerwartet zur Stütze einer jungen Familie – und entdeckt dabei eine neue Form von Zugehörigkeit
Sandra lebt in Paris ein bewusst unabhängiges Leben. Ohne Partner, ohne Kinder, ohne Erklärungen. Die Fünfzigjährige geniesst ihre Freiheit, ihren Alltag, ihr Alleinsein – bis sie widerwillig zustimmt, für ein paar Tage auf den kleinen Elliott aus der Nachbarschaft aufzupassen. Was als pragmatischer Gefallen beginnt, entwickelt sich zu einer tiefgreifenden Erfahrung: Sandra wird zur zentralen Bezugsperson des Jungen und zur stillen Vertrauten seines Vaters, der nach dem plötzlichen Tod seiner Partnerin Halt sucht.Gespür für Zwischentöne
Regisseurin Carine Tardieu gelingt mit L’ATTACHEMENT ein berührender Film über Nähe, Verlust und unerwartete Verantwortung. Mit feinem Gespür für Zwischentöne erzählt sie vom Entstehen einer neuen Art von Familie – jenseits von Normen, Blutlinien oder gesellschaftlichen Erwartungen. Valeria Bruni Tedeschi verkörpert Sandra als starke, aber verletzliche Figur, die ihre Selbstbestimmtheit nie infrage stellt – und dennoch offen ist für das, was das Leben an sie heranträgt. «Mir gefiel die Idee, eine moderne Frau zu porträtieren, die nicht dem Diktat des Patriarchats unterworfen ist, die ihre Unabhängigkeit reklamiert, ein Singledasein lebt, das sie nie zu rechtfertigen versucht», sagt Carine Tardieu über ihren Film. «Eine relativ freie Frau also, die jedoch plötzlich durch die Zuneigung eines kleinen Jungen und dessen trauernden Vaters erschüttert wird und deren Grundfeste dadurch zerbrechen.»
Familie, neu gedacht
Das Werk feierte seine Weltpremiere in Venedig und wurde in Frankreich schnell zum Publikumsliebling. In nur vier Wochen lockte der Film fast 700‘000 Menschen ins Kino – ein Beweis für seine emotionale Kraft. Tardieus Handschrift ist dabei unverkennbar: Wie schon in EINE BRETONISCHE LIEBE und IM HERZEN JUNG verbindet sie Witz, Melancholie und Hoffnung zu einem berührenden Ganzen. Ihr neuer Film lädt dazu ein, vertraute Begriffe neu zu denken – allen voran den der Familie.