Memory

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Drama

Interview: Carmine Carpenito

«ICH BIN FÜR JEDE NEGATIVE ERFAHRUNG DANKBAR»

In MEMORY schlüpft Hollywood-Star Jessica Chastain in die Rolle von Sylvia, die sich mit einem an Demenz leidenden Mann anfreundet. Wir haben die Schauspielerin 2023 am Zurich Film Festival persönlich zum Interview getroffen, wo der Film Schweizer Premiere feierte.

Jessica, in MEMORY spielen Sie eine Frau, die sich aufgrund von schlechten Erfahrungen aus ihrer Kindheit von der Welt abschottet. Wie vermeiden Sie im echten Leben, dass negative Erlebnisse Ihre Zukunft beeinflussen? Auch wenn das merkwürdig klingen mag, so bin ich für jede negative Erfahrung, die ich in meinem Leben hatte, dankbar. Alles davon half mir dabei, zu der Person heranzuwachsen, die ich gegenwärtig bin. Würde ich in Gedanken jemals in meine Kindheit zurückkehren und mir dabei wünschen, dass ich dies oder jenes ändern könnte, würde ich zu einem ganz anderen Menschen werden. Daher ziehe ich es vor, immer nach vorne zu blicken und dabei alle Negativerfahrungen mitzunehmen. Zur selben Zeit stelle ich aber auch sicher, dass das Gepäck nicht vor mir geht.

Können Sie das näher beschreiben? Ich will damit sagen, dass ich niemals mit meiner Vergangenheit einen anderen Raum betrete. Stattdessen versuche ich immer Türen zu neuen Möglichkeiten und Abenteuer zu öffnen. Genau aus diesem Grund bin ich Schauspielerin oder allgemein in dieser Branche tätig. Man kann sich in jedem einzelnen Moment lebendig fühlen und nach jeder Sekunde wieder von vorne anfangen. Das ist aufregend und inspirierend zugleich. Ich mag es, mich geistig in der Gegenwart aufzuhalten. Soll heissen; ja, ich hatte meine schlechten Erfahrungen und bin dankbar dafür, aber ich lasse mich keineswegs von ihnen definieren

Ihr Figur Sylvia bekommt gesagt, keine klare Vorstellung davon gehabt zu haben, in welche Richtung sich ihr Leben bewegen würde. Sahen Sie sich in Ihrer Karriere jemals mit einem ähnlichen Dilemma konfrontiert? Ich persönlich finde es fast am spannendsten, nicht zu wissen, wohin die Reise geht. Es genau zu wissen, wäre doch langweilig. Man muss ungeplanten Dingen die Möglichkeit geben, in dein Leben zu platzen. Hätte ich immer eine glasklare Vorstellung davon, was ich als nächstes tue, dann wäre das spontane Telefongespräch zwischen MEMORY-Regisseur Michel Franco und mir nie passiert. Klar verfügt man über gewisse Orientierungspunkte und schwimmt nicht einfach so in Richtung Nichts.

Sondern? Ich meine, ich selber wache beispielsweise auch jeden Morgen auf und mache immer all die Dinge, von denen ich weiss, dass ich sie mag und die mich glücklich machen. Gleichzeitig lasse ich mich aber auch gerne von Abweichungen überraschen, denn ich weiss, dass ich ohnehin keinerlei Kontrolle über mein Leben habe. Es gibt Sachen, die völlig unerwartet sind und deren Ausgang ich nicht beeinflussen kann.

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