Ihre Karriere begann, als Natja Brunckhorst mit 13 Jahren auf dem Pausenplatz entdeckt und für die Rolle der Christiane F. in WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO besetzt wurde. Seit vielen Jahren macht sie nun selber Filme. Ihr neustes Werk heisst ZWEI ZU EINS und handelt von einem Banknotenraub, der sich tatsächlich während der letzten Tage der DDR zugetragen hat. Im Interview spricht sie über Volkseigentum, Dreiecksbeziehungen und darüber, was einen guten Film ausmacht.
Natja Brunckhorst, was faszinierte Sie an der Geschichte, wo einige Säcke von eingezogenen DDR-Noten aus einer Deponie gestohlen wurden? Mich faszinierte, dass da ein ganzer Schacht mit dem gesamten Papiergeld der DDR war, das dort eingelagert wurde und dann Teile davon abhanden kamen. Bis heute weiss man nicht genau, wie viel abhanden kam. Ich dachte sofort, das ist Kino!
Und es wurden ja auch längst nicht alle gefasst. Werden also Leute im Kinosaal sitzen und still denken: «Ich hab‘s geschafft»? Es sind tatsächlich nur zwei gefasst und verurteilt worden. Das ist jetzt 30 Jahre her, aber nach meinen Recherchen bin ich ziemlich sicher, dass das mehr waren. Es taucht immer mal wieder Geld auf, das eindeutig aus diesem Diebstahl stammen muss.
Wie blicken Sie persönlich auf die Sache mit dem Geld? War das ein Schelmen-Stück oder war das kriminell? Naja, der Fall ist speziell. Das war ja nicht Geld, das jemandem gehörte. Der Staat war ein Volksstaat, eine Volksrepublik und jedem gehörte offiziell alles, somit auch dieses Geld. In dem Sinne ist es moralisch ein bisschen weniger verwerflich und guter Stoff für eine Komödie, die langsam hochdreht. «Schelmen-Stück» trifft es ganz gut und es macht Spass, dem ganzen zuzusehen.
Es ist aber auch die Geschichte einer Dreiecksbeziehung. War es Ihnen wichtig, auch die Liebe noch mit hineinzunehmen? Nun, in fast 100 Minuten hat man die Chancen, Vieles zu erzählen. Nur Komödie oder nur Liebesgeschichte wäre etwas farblos. Wenn man Beides in einem guten Drehbuch verpackt, hat man einen Film, für den man gerne ins Kino geht. Ich hoffe, die Leute kommen aus dem Saal unsagen, sie hätten einen schönen Abend gehabt, einen guten Film gesehen und wer möchte, kann dann auch noch über das Politische diskutieren, das wir in den Film eingestreut haben (lacht).
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