Am 20. Zurich Film Festival wird Emil Steinberger (91) für sein Lebenswerk geehrt, zudem feiert der Kinofilm TYPISCH EMIL Premiere. Im Interview spricht der Kabarettist, Autor und Schauspieler über seine Anfänge, die fehlende Anerkennung seiner Eltern und Erfolgsmomente.
Emil Steinberger, Sie erhalten vom ZFF den Lifetime Achievement Award. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung? Ich freue mich sehr darüber, besonders weil sie aus Zürich kommt.
Wie meinen Sie das? Als Innerschweizer schaute ich früher mit Zurückhaltung nach Zürich. Ich hatte Angst, dort zu spielen, weil alles immer so perfekt dargeboten wurde. Bei Cés Keiser oder den Musicals von Hans Gmür trugen alle massgeschneiderte Kostüme, während ich absichtlich meine Bühnenkleider ein bis zwei Nummern zu gross einkaufte. Dies beeinflusste meine Spielweise. Ich befürchtete, die Zürcher würden das furchtbar finden. Aber als mir der Bühnenmeister vom Bernhard Theater sagte «An der Uni sprechen alle nur noch wie Emil», wusste ich, dass ich in Zürich angekommen bin.
Luzern und Zürich waren nur erste Stationen. Bald wurden Sie auch in der Westschweiz und in Deutschland beliebt. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? Manchmal dachte ich: «Das ist verrückt! Egal, ob Bühne, Schallplatten, Filme oder Bücher – alles läuft.» Heute sage ich oft, ich habe einfach Glück. Eine Astrologin analysierte mein Geburtsdatum, 6.1.1933 / 23’00 Uhr, ohne zu wissen, dass es um mich geht, und kam zu dem Schluss, dass dieser Mensch sehr viel Glück im Leben habe. Aber ich habe auch hart gearbeitet. Mein Erfolgsgeheimnis ist also eine Mischung aus Glück und Fleiss.
Im Film TYPISCH EMIL fragen Sie sich selbst, ob es überheblich ist, ein Buch über sich zu schreiben. Wie kam es nun zu dem Dok über Ihr Leben? Es kamen immer wieder Anfragen von Filmemachern, aber die Ideen passten nie. Ein 91 Jahre langes Leben kann eigentlich nur ich selbst schildern, nicht Aussenstehende. Bei diesem Film waren meine Frau Niccel und ich Teil eines vierköpfigen Autorenteams, zu dem auch der Regisseur Phil Meyer und der Kameramann Elmar Bossard gehörten. Gemeinsam haben wir uns durch endlos viel, teils auch ungesehenes Archivmaterial und Filme gearbeitet und in Zusammenarbeit mit unserem Cutter Justin Stoneham daraus eine berührende Geschichte kreiert.
Und wie sehen Sie den fertigen Film? Ich bin sehr zufrieden. Bei einer Testvorstellung lachte und weinte das Publikum. Das berührt mich und es ist ein weiterer Glücksfall, dass der Film so gut aufgenommen wird.
Ein emotionaler Moment im Film ist, als Sie über Ihre Mutter sprechen, die Ihren Erfolg weder goutierte noch anerkannte. Wie gingen Sie damit um? Ich konzentrierte mich einfach auf die nächsten Vorstellungen. Wenn das Publikum mir zeigte, dass das, was ich mache, sie glücklich macht, konnte ich das andere vergessen. Kürzlich fand ich ein altes Zeitungsinterview, in dem meine Mutter sagte: «Wäre er doch besser bei der Post geblieben, statt diese Albernheiten zu machen.» Das bestätigte mir, dass ihre Haltung immer so war und ich mir das nicht nur einbildete.
Trotzdem haben Sie Ihr Talent später zum Beruf gemacht. Wie kam das? Der Ursprung war die Improvisation. Als wir «Räuber und Poli» spielten, musste ich immer der Räuber sein, weil ich dann verrückte Geschichten erfinden konnte. Auch beim jährlichen Ministranten-Treffen improvisierte ich mit 12 Jahren «Im Coiffeursalon» oder «Im Bahnabteil» usw. Meine Schulkollegen warteten auf mich, weil ich auf dem Weg immer fantasievolle Geschichten erzählte. Mit Klassenfreund Armin Beeler entstand in Luzern das erfolgreiche «Cabaradiesli-Ensemble». Mit Franz Hohler zusammen haben wir später Ideen für Nummern entwickelt. Das ermutigte mich auch in Vorstellungen zu improvisieren. Daraus entstanden auch viele neue Nummern.
Nach einer langen und erfolgreichen Karriere leben Sie auch mit 91 nicht einfach in den Tag hinein. Können Sie uns verraten, was Ihre nächsten Pläne sind? Im Moment stapelt sich das viele Archivmaterial für den Film in meinem Atelier und muss sortiert werden. Vielleicht nutze ich es grad für die Autobiographie, an der ich schreibe und in der ich mehr ins Detail gehen kann als im Film. Aber spruchreif ist noch nichts. Ich kann ihnen beim besten Willen jetzt nicht sagen, was mir noch alles in den Sinn kommen wird (lacht).
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