LAUSANNE In der Komödie «Lolo» verkörpert Dany Boon den sympathischen Jean-René, der sich in Violette verliebt. Allerdings rechnet er nicht damit, dass ihr Sohn sich ihm gegenüber wie ein kleines Monster aufführt. Mit uns spricht er über die Dreharbeiten mit seiner Schauspielkollegin Julie Delpy und über die Vor- und Nachteile vom Berühmtsein.
Dany Boon, wie würden Sie reagieren, wenn Sie auf jemanden wie Lolo im echten Leben treffen würden? Das ist eine gute Frage. Ich würde als Erstes mit meiner Freundin sprechen und ihr sagen, dass etwas mit ihrem Sohn nicht stimme, um zu sehen wie sie reagieren würde. Wenn sie sagen würde, dass ich Unrecht hätte und ihr Sohn ein Engel sei, würde ich zu ihm gehen und ihn direkt ansprechen. Ich würde ihn warnen und ihm sagen, er solle mich nicht verarschen.
Und falls es nicht funktionieren würde, würden Sie ihm eine Falle stellen? Nein, keine Falle. Ich würde mich eher ab meiner Freundin fragen, dass etwas mit ihr wohl nicht stimmt. Wenn sich ihr Sohn so verhält, muss etwas mit ihr nicht in Ordnung sein.
Wie sind Sie zum Projekt «Lolo» gekommen? Julie sagte mir, dass sie ein Drehbuch schrieb und an mich dachte für die Rolle als Jean-René. Ich bin ein grosser Fan von ihr und habe darauf das Drehbuch gelesen und sie 24 Stunden später angerufen und ihr gesagt, dass ich dabei bin. So einfach war das. Meine Gage war mir egal, ich war glücklich, in Julies Film dabei zu sein.
Konnten Sie während der Dreharbeiten Ihre Ideen einbringen? Soso lala. Julie weiss genau, was sie will. Das ist toll. Ich drehe lieber einen Film mit jemandem, der weiss, was er will, auch wenn er manchmal unrecht hat. Auch wenn derjenige Fehler macht, sind es seine Fehler, das ist wichtig. Ein Film ist Ansichtssache, der Regisseur ist immer der Erste und der Letzte, der eine Entscheidung trifft. Wie bei einem Gemälde muss der Film etwas Persönliches haben.
Welches ist der Unterschied, wenn man sich mit 40 verliebt und mit 20?Was macht eine gute Komödie für Sie aus? Eine gute Komödie bringt dich zum Lachen und bewegt dich. Es ist sehr wichtig, bewegt zu werden. Mir gefällt an Lolo, dass es ein Film über Frauen ist, wie sie denken und leben. Von einer talentierten Frau gedreht. Das gibt es nicht so oft. Normalerweise werden Komödien von Männern gedreht.
Seit der Komödie "Bienvenue chez les Ch'tis" sind Sie weltberühmt. Was hat sich seither in Ihrem Leben verändert? Alles. Als Erstes dachte ich, sei schon vorher berühmt gewesen, aber das war ich nicht. Ich reiste wegen des Films viel umher und konnte noch gar kein Englisch. Ich musste es zuerst lernen. Ich habe auf der ganzen Welt viele tolle Leute kennengelernt. Mein Leben wurde einerseits einfacher, andererseits schwieriger.
Welche positiven und negativen Auswirkungen hatte der Erfolg auf Sie und Ihre Familie? Es verändert dein Leben. Auch deine Familie ist betroffen. Viele Leute gehen auf Verwandte oder Freunde von dir zu, nur, weil sie durch sie an dich gelangen wollen. Es hat auch Auswirkungen auf deine Kinder. Mein Sohn wurde in der Schule geschlagen, weil er mein Sohn ist. Die Leute sind eifersüchtig.
Wie gehen Sie damit um? Ich sprach mit den Eltern der Schüler und ging in die Schule, um das Problem zu lösen. Das war aber eine schlechte Idee. Wir nahmen unseren Sohn schliesslich von der Schule. Der Rektor der Schule wurde so nervös, als ich kam, dass er zitterte. Das ist peinlich. In den Augen meines Sohnes bin ich so nicht mehr sein Vater sondern eine berühmte Person, ein Star. Das war einer der Gründe, warum wir das Land verliessen und nach Los Angeles zogen und unterdessen in London leben. Es ist besser unbekannt zu sein, ein normaler Vater sein zu können. Alle Leute um dich herum, deine Entourage, sagen dir, du sollst bleiben wie du bist und dich nicht verändern, aber sie sind die ersten, die sich verändern.
Wenn Sie wählen könnten, würden Sie zurück gehen in die Zeit, als Sie noch nicht berühmt waren? Nein, weil ich arm war. Ich war pleite, ich hatte nichts. Ich musste überall Geld leihen. Es gab sogar eine Zeit, in der ich fast auf der Strasse leben musste. Ich machte Vorführungen auf der Strasse, nur, um ein paar Cents zu verdienen, um mir ein halbes Baguette und einen Liter Milch kaufen zu können. Es ging nicht mal darum, dass ich arm war, vielmehr, dass ich viel Respektlosigkeit erfahren habe.
Inwiefern? Ich erinnere mich, dass ich ein Baguette in einer Bäckerei kaufen wollte. Da ich in den Strassen auftrat, hatte ich nur Münzen dabei. Ich ging also in die Bäckerei und sagte, dass ich ein Baguette möchte. Die Verkäuferin sagte mir, wie viel es kostet. Ich zählte also meine Münzen. Ich konnte ihr sofort ansehen, dass es sie angeschissen hat. Sie zählte alle meine Münzen nach, um zu sehen, ob es stimmt und sagte mir, dass 10 Cents fehlten. Also suchte ich alle meine Taschen ab, um das fehlende Geld finden, aber ich wusste, dass ich nichts mehr hatte. Die Verkäuferin nahm das Baguette, warf es mir entgegen und sagte: Geh zur Hölle. Ich war so gedemütigt. Ich sagte mir, wenn ich eines Tages reich und berühmt sein sollte, komme ich zurück und kaufe die Bäckerei.
Und haben Sie sie gekauft?