Trumbo

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Biographical

Interview Helen Mirren

Interview: Raya AbiRached

Helen Mirren: «Mein Vater war ein bisschen wie Dalton Trumbo in Hinblick auf die Politik»

TORONTO Im Biopic «Trumbo» schlüpft Helen Mirren in die Rolle der erfolgreichen sowie einflussreichen Schauspielerin und Gesellschaftskolumnistin Hedda Hopper. Im Film fungiert sie als Gegenpol von Drehbuchautor Dalton Trumbo, der aufgrund seinem Eintritt in die kommunistische Partei auf Hollywood's schwarzen Liste wandert. Gegenüber kinowetter verrät Mirren, wie viel Macht Hopper tatsächlich besass und weshalb sie das Verhalten der Studiobosse in den 40er-Jahren als absurd empfindet.

Helen Mirren, beschreiben Sie uns Ihre Figur. Hedda Hopper ist extrem mächtig und aussergewöhnlich. Sie kreiert sich ihre eigene Rolle, indem sie sich mit ihren Hüten, ihrer Schminke oder ihrem Stil clever zu vermarkten weiss. Sie arbeitet aber auch in einer Zeit, in der die Kombination verschiedener Elemente notwendig und der Schlüssel zum Erfolg war. In der Gegenwart gibt es niemanden mehr, der auch nur annähernd so viel Kraft besitzt, wie sie damals besass.

Was haben Sie während der Produktion des Films über das 40er-Jahre-Kino herausgefunden? Mir war schon vor dem Drehstart Einiges aus der Zeit bekannt. Kurz vor seinem Tod durfte ich sogar noch den echten Dalton Trumbo kennenlernen. Damals war ich noch eine junge Schauspielerin, die ihn wegen eines Filmes traf. Zu der Zeit gab es übrigens auch Regisseure, die auf der schwarzen Liste von Hollywood standen. Die kamen dann nach England und waren dort sehr erfolgreich unterwegs. Für die Karriere mussten sie aber eben Amerika verlassen. Deshalb weiss ich auch so vieles darüber. Ausserdem war mein Vater im Hinblick auf Politik auch ein bisschen wie Dalton Trumbo (lacht).

Der Film dreht sich im Kern um Redefreiheit. Richtig. Absurd daran ist, dass sich Studiobosse so verhielten, als wären sie von der Geheimpolizei. Sie sahen noch nicht einmal die Ironie dahinter. Bestseller-Autorin Ayn Rand beispielsweise wusste ganz genau, was Kommunismus bedeutet. Viele der anderen Daltons dieser Welt waren ziemlich naiv. Gerade im Bezug auf den Nationalbolschewismus und was er den Leuten antat.

Können Sie näher darauf eingehen? Es waren alles Idealisten. Das konnte ich auch bei meinem Vater ganz gut beobachten. Wenn etwas extrem schief lief, war es sehr schwierig, sich das auch einzugestehen. Die Kommunisten hätten Amerika nie übernommen. Sie haben Amerika einfach falsch eingeschätzt. Die Macht des Kapitalismus und die Freiheit hätten die Kommunisten nie ändern können. Diese paranoide Angst des Kommunismus hat den Westen auf einen ganz schlechten Weg gebracht. Der Vietnam-Krieg ist nur ein Teil davon.

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