LOS ANGELES Nach fünf Jahren Pause steht Jodie Foster in HOTEL ARTEMIS wieder vor der Kamera. Als Krankenschwester pflegt sie zusammen mit Dave Bautista Kriminelle und das in einem ganz speziellen Hotel. Mit uns sprachen die beiden Schauspieler über ihre Rollen, die Geschichte des Films und wie es ist, vor und hinter der Kamera zu stehen.
Jodie Foster, brauchte es erst HOTEL ARTEMIS, damit Sie wieder schauspielern wollten? Scheinbar, ich habe in der letzten Zeit viel Regie geführt und Filme gemacht. In den letzten fünf Jahren war ich bei zwei Filmen und vielen Fernsehshows die Regisseurin. Ich musste wieder etwas finden, das mir gefiel, damit ich zurück zu der Schauspielerei finde. So muss es für mich auch sein. Mir muss etwas gefallen und ich muss es lieben können. Die Leidenschaft und die Wandelbarkeit darf ebenfalls nicht fehlen und dieser Charakter war wirklich wandelbar. Sowohl physisch als auch emotional und ohne zu viel abzugeben, war sie sehr authentisch. Es fühlte sich toll an, sie zu spielen.
Es war ungewöhnlich, Sie als die kleine alte Dame zu sehen. Wie kam es dazu?
Jodie Foster: Ja, ich bin eine kleine Dame (lacht). Es ist faszinierend, wie man nur durch eine Perücke, ein Fettpolster und gelben Zähnen alles ändern kann und einen anderen Menschen hat. Sie ist einfach eine wunderbare Frau. Die Beziehung, die sie zu Everest (Dave Bautista, Anm. der Redaktion)) hat, ist sehr interessant. Er ist wie ihr erfolgreicher Ziehsohn und sie liebt ihn sehr. Das sieht man auch gut, denn sie sagt dauernd gemeine Dinge zu ihm (lacht).
Dave Bautista: Das ist ein Teil. Zudem sind sie der Kern und das Herz des Filmes. Sie haben eine enge Verbindung und sind sich gegenüber sehr loyal. Schliesslich arbeiten sie in einem Hotel für Kriminelle (schmunzelt).
Für Sie ist es auch etwas Neues, Sie spielen einen Fachmann für Gesundheit… Dave Bautista: (lacht) Ja, das ist so und das finde ich toll an meinem Charakter Everest. Aber alle Charaktere sind auf ihre Weise spannend, denn sie haben alle ihre Identitäten und schützen diese. Everest ist jedoch speziell. Seine wahre Identität kommt von seiner gewalttätigen Umgebung. Doch er will das nicht. Im Gegenteil, er will ein Fachmann für Gesundheit sein und Leute pflegen und ihnen helfen. Ausserdem will er auch dafür respektiert werden, was er macht. Er braucht eine gewisse Bestätigung und gerade deshalb wiederholt er es immer wieder. Das ist vermutlich etwas, das ihn dazu inspiriert, diese Person zu werden.
Ergibt sich dadurch nicht ein Konflikt, wenn er von all diesen gewalttätigen Menschen umgeben ist? Dave Bautista: Ich denke nicht, dass es ein Konflikt ist. Eher fühlt er sich gezwungen, die Person zu sein, die er war, obwohl er ein guter Mensch sein möchte. Der Konflikt liegt demnach darin, dass er weiss, wer er sein will, aber gezwungen wird, jemand anderes zu sein. Er möchte diese Person einfach in der Vergangenheit lassen.
Man sagt sich, Sie seien der Anstoss für den Film gewesen, doch es ist ein kleines Mysterium, wie Sie zum Skript kamen… Jodie Foster: (lacht) Ein Hollywood-Geheimnis… Ich muss mich ein bisschen ausbreiten und umschauen, denn ich mag selten etwas. Ich lese deshalb alles, auch Rollen für Männer. Diese können manchmal ja umgeschrieben werden. Das ist mir auch schon mehrmals passiert, dass ich einen Film sehr spannend fand, die Rolle jedoch für einen Mann gedacht war. Ich lasse gute Männerrollen auf mich umschreiben. Das hat sich bisher ausbezahlt.
Wie viel Freiraum hatten Sie, die Rolle nach Ihrem Geschmack anzupassen?
Jodie Foster: Es ist Drew Pearces Film, also kann er die ganzen Lorbeeren einsacken. Schliesslich hatte er die Vision des Films und war das Hirn dahinter. Wir hatten einfach Gespräche mit ihm, ganz viele Gespräche. Daraus erhoffen wir uns, dass er etwas mitnimmt und den Charakteren so etwas mehr Tiefe geben kann. Das ist schon alles, das wir machen. Wir verändern nicht die Rolle oder den Charakter, sondern wir geben ihnen mehr Tiefe. Diese Gespräche waren wirklich toll und auch produktiv.
Dave Bautista: Das ist das Tolle an Drew. Er ist gewillt, diese Gespräche auch zu führen. Es gibt Regisseure und Drehbuchautoren, die sind es überhaupt nicht. Er jedoch ist sehr offen und entgegenkommend. Er lässt einem etwas von sich selbst in den Charakter fliessen und das ist toll.
Der Film entwickelt sich und wächst durch die Tatsache, dass die Krankenschwester Mutter ist. Empfinden Sie das auch so? Jodie Foster: Die Krankenschwester lebt mit diesen Geistern aus der Vergangenheit, die sie nicht wirklich los wird. Deshalb flickt sie immer wieder Leute zusammen, das lenkt sie ab von der Vergangenheit. Vielleicht ist auch der Gedanke dabei, dass sie die Vergangenheit flicken kann, wenn sie es in der Gegenwart tut. Alle Charaktere ringen mit ihren Identitäten und der Tatsache, dass sie wie in einem Gefängnis sind und immer wieder dasselbe machen, jedoch nie eine andere Lösung haben.
Empfanden Sie es ein Stück weit auch als Geisterort?
Jodie Foster: Ich fand es reizend. Das Aussergewöhnliche an diesem Film ist, dass er einen einmaligen Ton hat. Zur Hälfte ist er im Stil von Retro, Vintage und alte Hollywood-Filme aus den 20er Jahren. Andererseits ist der Film dieser knallharte Sci-Fi und Action-Film. Diese zwei Dinge werden auf eine faszinierende Weise miteinander vermischt.
Dave Bautista: Es ist wirklich eine einzigartige Mischung. Man hat diese gewalttätige Umgebung, im Hotel selbst herrscht allerdings diese fast nostalgische, romantische altes Hollywood-Stimmung. Das macht es wirklich spannend.
Welche Referenzen oder geschichtlichen Hintergründe von L.A. haben Ihnen am meisten gefallen? Jodie Foster: Es gibt so viele. Drew hat aber definitiv etwas für Casablanca übrig, denn davon gab es sehr viele Verweise im Film. Ich für mich würde die Charaktere wählen. Es geht nicht darum, einen Charakter nach etwas zu spielen oder einen Film nach etwas Bestimmtes zu machen. Sondern einfach etwas Eigenes und Originelles.
Fühlte es sich gut an, wieder vor der Kamera zu stehen?
Jodie Foster: Ja, es fühlt sich toll an zu tun, was ich liebe und wo ich etwas zu sagen habe. Ich will einen Film nicht aus den falschen, sondern den richtigen Gründen machen. Das habe ich über die Jahre gelernt. Wenn man mich also in einem Film sieht, dann gibt es einen guten Grund. Ansonsten wäre ich im Fitnessstudio oder sonst wo, am Skifahren vielleicht (lacht).
Dave Bautista: Ich sehe es auch so. Jodie ist dort, wo ich hinwill. Ich will die Freiheit, mir Projekte aussuchen zu können. Zudem will ich auch mal hinter der Kamera stehen. Wenn ich so fünf Jahre Regie geführt habe, will ich nur noch machen, was mir gefällt. Und dabei nicht hinterfragt werden, sondern man freut sich einfach, dass ich da bin (lacht). Also einfach gesagt, ich will Jodie Foster sein (lacht).
Jodie Foster: (lacht) Wir können Körper tauschen, wie in FREAKY FRIDAY. Ich wäre Dave und er wäre ich (lacht).
Dave Bautista: Pass auf, sonst schreibt das sicher bereits einer als Drehbuch (lacht).