Der Name der Rose

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Crime

Interview: Roland Schäfli

Urs Althaus: «Wir degustierten uns durch alle Jahrgänge»

40 Jahre nachdem er als Venantius in einem Bottich mit Blut endete, lässt die schicksalshafte Rolle des Mönchs den Schweizer Urs Althaus nicht los.

Die Dreharbeiten im Kloster Eberbach im Rheingau dauerten einen Monat. Was bleibt in Erinnerung? Vor dem ersten Drehtag wurde ich ins Make-up gerufen, wo den Darstellern eine Tonsur geschnitten wurde. Im letzten Moment griff Regisseur Jean-Jacques Annaud ein, denn in seiner Vorstellung war der Mönch Venantius der Schönste im Kloster, und darum liess er mir eine besonders gepflegte Tonsur verpassen.

Das Kloster Eberbach besitzt als kulturelles Erbe auch das bekannte Weingut, das von den Mönchen im 12. Jahrhundert bewirtschaftet wurde. Wurde während der Dreharbeiten viel Wein getrunken? Wir degustierten uns durch alle Jahrgänge! Mein Gaumen war als 27jähriger noch nicht so erprobt, um den Riesling richtig ästimieren zu können. Das hat sich seither geändert.

Wie verlief das erste Treffen mit Sean Connery? Vor dem ersten Drehtag fand im grossen Saal des Klosters eine Pressekonferenz statt. Schliesslich handelte es sich um eine Star-Besetzung, die Verfilmung eines bedeutenden Buchs und nicht zuletzt eine Investition von damals 47 Millionen Deutschmark. Als Sean Connery eintrat, flippte die Weltpresse aus! In diesem Moment wurde mir der Unterschied von Filmstar und Weltstar bewusst. Anschliessend jedoch hat Sean sich bei mir ganz bodenständig vorgestellt – nicht umgekehrt - und mich zum Essen eingeladen. Was für ein charismatischer Star er doch war. Als die Fans ihn erkannten, zückte er Autogrammkarten, die ihn als James Bond zeigten. Ich fand das seltsam.

Connery war damals noch nicht als Charakterdarsteller etabliert, er fühlte sich in der 007-Schublade gefangen. Als ich ihn danach fragte, meinte er nur: Ach, die Leute wollen mich eben so sehen!“ Erst DER NAME DER ROSE sollte das ändern. Gleich am ersten Drehtag durfte ich zusehen, wie er den frischgebackenen Oscarpreisträger F. Murray Abraham durch seine Präsenz so aus dem Konzept brachte, dass er sich erst sammeln musste, bevor die Aufnahme weitergehen konnte.

Wie authentisch war das Klosterleben dargestellt? Darauf wurde viel Sorgfalt verwandt. In der Szene, in der ich im verbotenen Buch blättere, benutzte ich für die Proben ein nachgemachtes Requisit, für die Aufnahme jedoch reichten mir Assistenten mit Handschuhen dieses jahrhundertealte, von Mönchen kunstvoll gestaltete Werk. Zur Vorbereitung suchte ich in New York, wo ich damals lebte, ein Kloster auf. Dem Abt war das Buch von Umberto Eco bekannt, weshalb er mir gute Ratschläge gab, etwa, wie man die Hände beim Gehen unter der Kutte verschränkt – damit nichts Böse in den Körper eindringen kann! Als dann am Drehort die Darsteller der Mönche ausgebildet werden sollten, durfte ich schwänzen, weil ich das schon konnte!

DER NAME DER ROSE hat als Film ein langes Leben. Wirkt sich die Rolle noch heute für dich aus? Erst kürzlich kam im Fitnesscenter ein Urner auf mich zu, der mich richtig urchig ansprach: „Hey, ich hab‘ deinen Film gesehen, war gar nicht übel.“ Einmal lud der Abt des Klosters Einsiedeln mich ein, um mir die Stiftsbibliothek zu zeigen. Ja, man kann schon sagen, diese kleine Rolle hatte eine grosse Bedeutung.

Hast du während des Drehs als Mönch keusch gelebt? In Eberbach ja, aber während der Studio-Aufnahmen in Rom nicht mehr (lacht)!

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