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Thriller

Interview: Philipp Portmann

Olga Kurylenko: «Ich habe mehr drauf als nur sexy zu spielen»

Olga Kurylenko, bevor wir zu Ihrem Film kommen, wie geht es Ihnen? Sie hatten das Coronavirus, ist nun alles wieder in Ordnung bei Ihnen? Alles ist wieder in Ordnung, ja. Ich hatte das Coronavirus im März. Ich habe mich wieder erholt davon und seitdem ist soweit alles in Ordnung. Ich frage mich, ob ich es ein zweites Mal bekommen kann, dass weiss ich nicht. Ich bin jedoch vorsichtig und mache was ich kann.

Hat sich für Sie etwas geändert, denn das Virus ist ja nach wie vor noch da draussen? Ja, das stimmt, das Virus ist noch da. Ich trage die ganze Zeit eine Maske. Es ist ziemlich unangenehmen, aber eine andere Wahl gibt es nicht. Zudem desinfiziere ich konstant meine Hände, dazu habe ich mein Handdesinfektionsmittel ständig dabei. Die Hände desinfiziere ich gefühlt eine Million Mal pro Tag (lacht). Ich versuche einfach sauber zu bleiben und meine Hände gründlich zu waschen. Das ist das Einzige, was ich überhaupt tun kann. Ah, und ausserdem treffe ich mich im Moment nicht wirklich mit jemandem. Alle bleiben für sich selbst (schmunzelt).

Während Sie das Coronavirus hatten, war es schwer für Sie? Während dem Virus hatte ich vor allem hohes Fieber. Das war das grösste Problem. Wie man ja weiss, ist über 39 Grad Fieber der Körper nicht mehr genügend leistungsfähig. Mir war schwindlig und ich hatte Schüttelfrost. Es fehlte mir an Energie und ich wollte praktisch die ganze Zeit schlafen. Das tat ich dann eigentlich auch. Ich bekam ebenfalls starke Kopfschmerzen, damit hatte ich wirklich zu kämpfen. Das waren meine Hauptsymptome hohes Fieber und Kopfschmerzen. Glücklicherweise hatte ich keine Atembeschwerden. Ein erweitertes Familienmitglied ist an Covid-19 gestorben. Ich erfuhr es erst kürzlich, dass die Frau meines Grossonkels daran verstorben ist. Das macht es sehr real und nah, Menschen sterben überall daran. Viele Menschen machen momentan schwere Zeiten durch.

Ihr Film erscheint nun auf DVD und Blu-ray. Wie ist es, wenn Sie daran zurückdenken, was kommt Ihnen in den Sinn? In erster Linie wie viel Spass der Dreh gemacht hat (lacht). Es war so grossartig. Die Crew war toll, wir verstanden uns super und sind Freunde. Christian Volckman, unser Regisseur, ist ebenfalls unglaublich. Er war sehr offen für Vorschläge und hat uns vertraut als Schauspieler. Es hat im Film immer wieder mal improvisierte Momente drin. In diesen Momenten spielten wir nach unserem Gefühl, wie wir dachten, dass es passt. Christian hat uns dort einfach vertraut und machen lassen. Wir waren sehr kreativ. Ich liebe das Skript. Als ich es las, fand ich es interessant und ungewöhnlich. Ebenfalls gefiel mir die Art, wie es sich entwickelt. Ich habe mich darauf gefreut den Film zu machen.

Wenn man den Film schaut, kann man nicht aufhören, weil man nie weiss, was als nächstes geschieht. War es für Sie ebenfalls so? Es war das gleiche Gefühl, als ich das Skript las. Ich musste wissen, was geschah und konnte einfach nicht aufhören zu lesen (lacht).

Wir wollen nicht zu viel verraten, doch ihr Charakter wird Mutter im Film. Kann man sagen, dass es im Film auch wenig um das Loslassen einer Mutter geht? Der Film spricht verschiedene Themen an. Es spricht unsere Beziehung zu Besessenheit und Gesundheit an. Sowie das Thema, dass ein Mensch immer mehr will und nicht aufhören kann. Das Paar im Film wird ein wenig verrückt, sobald sie realisieren, sie können alles haben. Das Interessante daran ist, am Ende ist das Ergebnis ersichtlich. Sie können nicht stoppen. So sehen sie am Ende gebrochen, müde und als hätten sie einen Kater aus. Sie haben nichts mehr zu tun. Sie kündeten ihre Jobs, weil sie dachten, sie hätten alles und müssten nicht mehr arbeiten. Sie verlieren die Aufregung darüber Besitztümer zu haben. Was lustig ist, denn wir alle wollen Besitztümer haben. Doch erhalten wir sie zu einfach, ist fast keine Dankbarkeit und keine Aufregung vorhanden. Wenn man ausgehen kann und jede Tasche und jeden Schuh kaufen kann, den man will, was bleibt übrig, worauf man sich freuen kann (lacht)? Es ist zu einfach. Wenn man wartet, dann ist es anders.

Im Film wird dies also genauer thematisiert? Man spart Geld, um ein paar Schuhe zu kaufen, welches man irgendwo gesehen hat. Man weiss die Schuhe zu schätzen, sobald man sie dann effektiv hat. Schliesslich hat man hart dafür gearbeitet, um es sich leisten zu können. Wenn es vom Himmel fällt, dann interessiert einem so etwas nicht. Man kann sich schliesslich immer mehr und anderes holen. Mein Charakter im Film sagt dies klar, als sie einmal ein für sie wertvolles Halsband verliert. Es interessiere sie nicht, sie könne ja immer ein neues haben. Das ist etwas Trauriges, denn nichts ist mehr wichtig im Leben. Es ist eine gute Lektion. Wenn man alles ganz einfach erhält, dann macht es einem nicht glücklich, sondern depressiv. Den Gedanken, wenn ich es einmal habe, bin ich glücklich, haben viele Leute. Doch wie man sieht, wenn es vom Himmel fällt, macht dies nicht glücklich. Es führt eher zu Depressionen, Langeweile und Unglücklichsein. Das geschieht mit dem Paar im Film. Dies ist ein Thema, dass durch den Film gut thematisiert wird.

Gibt es sonst noch Themen, die Sie wichtig finden im Film? Ein anderes Thema ist Familie, Mutter sein, Kinder haben und was diese Kinder machen. Sowie die Beziehungen zwischen den Eltern und den Kindern, die sich entwickeln. Im Film sieht man den Ödipuskomplex sehr gut und im grossen Ausmass (lacht). Der Junge will den Vater umbringen und seinen Platz einnehmen. Das ist sicherlich ein interessantes Thema. Man kann auch gut sehen, dass sich die Beziehung zwischen den jungen Eltern verändert und sie sich beginnen zu streiten. Die Mutter schlägt sich auf die Seite ihres Kindes und schenkt ihrem Mann keine Aufmerksamkeit mehr. Es gibt sehr viele verschiedene Themen im Film, die das tägliche Leben von uns reflektieren.

War es emotional für Sie diese Szenen zu drehen? Einige Szenen waren sehr emotional ja. Die Themen über den unerfüllten Kinderwunsch und Kindesverlust sind für Frauen immer sehr schwer. Andere Szenen waren wiederrum sehr lustig. Den Moment als sie den Raum zum ersten Mal entdecken und alles sehr chaotisch wird, war extrem lustig zum Filmen (lacht). Es wurde viel zerbrochen und viele sexy Dinge gemacht. Wir hatten einfach die ganze Freiheit und enorm viel Spass.

Eine ihrer erfolgreichsten Rollen ist im James Bond Film QUANTOM OF SOLACE. Ist es seitdem einfacher Ihre Rollen zu wählen? Einfacher sicher nicht. Es ist eigentlich nie einfach. Man muss wissen, was man will und ich wusste dies. Ich erhielt schon früh viele Angebot, die ähnlich zu diesem Film waren. Oft war es jedoch eine Rolle, die noch nicht wirklich ausgearbeitet war und einfach für den Liebsteil sorgen sollte. Ich habe sie alle abgelehnt. Heute könnte ich nicht sagen, ob es richtig oder falsch war. Ich entschied mich einfach, nicht auf dieser Sexy- & Liebeswelle mitzureiten (lacht). Am Ende war es eine gute Entscheidung, denke ich. Weil ich nein gesagt habe, konnte ich diese interessanten Rollen und Filme machen. Letztens erhielt ich viele interessante Angebote fürs französische Kino. Mir war es wichtig, dass man mich ernst nimmt. Wenn eine Frau sexy Rollen annimmt, wurde aus irgendeinem Grund angenommen, dass sei alles, was sie könne. Ich wusste, ich kann mehr. Ich musste also zu Dingen nein sagen, doch ich weiss genau, weshalb ich es gemacht habe (lacht).

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