Der für seine Rollen in GAME OF THRONES oder AVENGERS: INFINITY WAR bekannte Schauspieler gibt nun den schwer verliebten Cyrano de Bergerac. In unseren Interview verrät Dinklage, warum diese Neuverfilmung bei ihm mitten ins Herz trifft.
Peter Dinklage, es heisst Sie waren vor dem Film nicht mit dem Charakter vertaut. Was sprach Sie an, dass Sie den Film machen wollten? Die Adaption von Erica Schmidt war einer der Hauptgründe, weshalb ich die Rolle annehmen wollte. Mir gefiel, wie sie das Ganze neu erfunden hat und dennoch das Herzstück stehen liess wie im Original. Sie entfernte das bekannteste Merkmal von Cyrano, was die Nase war. Ausserdem ersetzte Erica viele der Monologe über Liebe durch Liebeslieder. So verkleinerte sie das Stück auf ein Kammerspiel mit einer Handvoll Schauspieler. Ich verliebte mich einfach in alles, auch in die Songs, die von der Band «The National» geschrieben wurden. Den Schreibstil von Erica habe ich ebenfalls immer bewundert. Das Originale Material von Cyrano hat mich immer ein wenig irritiert.
Inwiefern irritiert? Der Schauspieler nahm beispielsweise die Nase nach jedem Stück ab. Aber was wäre, wenn man jemanden nahm, der das physisch nicht kann. Wie bei mir oder jemandem anderen, der physisch ein wenig anders ist. Es geht nicht zwangsläufig um den Vergleich der Nase und meiner Grösse. Viele mehr denke ich, dass ohne Nase viele Zuschauer einen besseren Zugang zu Cyrano erhalten. Denn unterbewusst sitzen viele nur da und beurteilen die Nase, genauso wie die anderen Charaktere.
Was lernten Sie von Ihrem Charakter bezüglich Liebe allgemein und natürlich Selbstliebe? Liebe ist nach wie vor etwas sehr Beängstigendes. Viele versuchen nach wie vor herauszufinden, was es eigentlich genau bedeutet. Ist es Attraktivität, ist es Begehren, ist es etwas Sexuelles oder ist es eine Art Freundschaft. Was ist reale und echte Liebe? Im Fall von Cyrano ist es mehr Selbstüberzeugung. Er ist mehr verliebt in die Liebe selbst und in den Gedanken verliebt zu sein. Er hat so lange aus der Ferne geliebt, dass er die Liebe romantisiert hat. Er gibt sich nicht wirklich mit der Person Roxanne ab, sondern mehr mit dem erschaffenen Ideal. Das ist jedoch nicht wirklich Liebe, zumindest in meinen Augen. Liebe bedeutet alles am anderen Menschen zu akzeptieren, es mit dieser Person zu teilen und es auch erwidert wird. Wenn Liebe nicht erwidert wird, dann ist es mehr Verliebtheit und Verblendung. Es muss ein Tanz beider Menschen sein, damit es echte Liebe ist.
Passt für Sie die Geschichte auch in die heutige Zeit? Klar, die Geschichte ist heute nach wie vor aktuell. Menschen verstecken sich hinter Profilen, welche eine Version von ihnen zeigt. Diese Version kann echt, aber auch falsch sein. Wer will schon nicht die Möglichkeit haben, sich verändern zu können. Das machen die Menschen durch die Kleider und das Make-Up seit wir denken können. Durch die Online-Profile hat sich dies um ein Vielfaches verschlimmert. Ich denke, wir können uns zu falsch darstellen auf der Suche nach Liebe. Die Liebe kann man nicht finden, wenn man nicht wirklich sich selbst ist.
Da stimme ich Ihnen zu… Als Beispiel ich bin gerade eine andere Version von mir, da ich durch Sie interviewt werde. Es ist knifflig. Es sind jedoch immer kleine Stückchen des Realen Selbst dabei. Das beschwört die Frage auf, wer ist man wirklich? Darüber könnte ich stundenlang sprechen (schmunzelt)
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