Das Goldene Auge sowie den Ökumenischen Filmpreis hat LA MIF bereits im letztjährigen Focus Wettbewerb am Zurich Film Festival gewonnen. Nun erobert das lebendige Sozialdrama von Frédéric Baillif das breite Kinopublikum.
«Du nervst, aber ich hab dich gern.» Diese Worte fassen LA MIF perfekt zusammen. Der Ausdruck steht für «Familie». Doch was macht überhaupt eine Familie aus? Die sieben Mädchen im Coming-of-Age-Sozialdrama wissen, dass es nicht Blut ist. Es ist ihr Gemeinschaftsgefühl. Im Heim, in dem sie miteinander leben, entstehen zwar häufig Streitereien – immerhin haben sie alle nicht nur mit der Pubertät, sondern auch mit dem System zu kämpfen – doch letztendlich haben sie nur einander.Mängel von Jugendschutzsystemen
Die Mängel von Jugendschutzsystemen kommen in den beinahe zwei Stunden Spielzeit ans Licht. Für den Film tauschte sich der Schweizer Regisseur Frédéric Baillif intensiv mit Heimbewohnerinnen aus. Diese durften sich sogar am Drehbuch und somit an der Entwicklung der Figuren beteiligen, die sie schliesslich selbst verkörpern.
Kameramann Joseph Areddy
«Es gab keine geschriebenen Dialoge, sondern nur den Filmplot, eine Outline und einige Pointen», erklärt Baillif. «Um dem realistischen Stil der Schauspielerinnen gerecht zu werden, mussten die Dreharbeiten minimalistisch sein. Mein Freund und Kameramann Joseph Areddy und ich haben uns für viel natürliches Licht und eine 360°-Inszenierung entschieden, um die Improvisation zu erleichtern. Alles wurde mit Handkamera gedreht, hauptsächlich mit einem 50mm-Objektiv, um so nah wie möglich an die Figuren heranzukommen und das Gefühl der Klaustrophobie der Protagonistinnen zu verstärken.» Das Resultat ist sehr authentisch und absolut sehenswert.