Was passiert, wenn man eine Luchsfamilie neun Jahre lang mit einer Kamera begleitet? Es entsteht ein Film, der unter die Haut geht.
Die Doku befasst sich mit der Geschichte einer Luchsfamilie, deren Leben im Rhythmus der Jahreszeiten verläuft, mit der Geburt der Jungen, dem Erlernen der Jagdtechniken, der Eroberung eines Territoriums, aber auch den Gefahren, die auf sie lauern.Regisseur Laurent Geslin
Der Fotograf und Regisseur Laurent Geslin «lebt und atmet seit Jahren den Luchs» und kennt fast jede grosse Raubkatze seiner Region, dem Schweizer Jura: «Das erste Mal, als ich sie sah, war natürlich das einschneidendste Erlebnis. Es geschah im Februar 2011 im Jura, nicht weit von meinem Haus entfernt. Nach Einbruch der Dunkelheit höre ich zum zweiten Mal in meinem Leben dieses für den Luchs so typische Fauchen während der Paarungszeit. Der Schrei ist laut, das Tier ist offensichtlich ganz in der Nähe. Diesen Teil des Waldes kenne ich gut und weiss, dass sich hinter dem rund dreissig Meter breiten Waldstreifen eine Viehweide befindet. Ich suche im Halbdunkel nach der jetzt verstummten Raubkatze.
Die Silhouette des Luchses
Dreimal inspiziere ich mit dem Fernglas jeden Busch, jeden Stamm, jeden zu Boden gefallenen Zweig. Ich weiss, sie beobachtet mich, das spüre ich. Erst beim dritten Mal mache ich endlich die Silhouette des Luchses aus. Hinter einem Baum sitzend beobachtet er mich in aller Ruhe. Eine unbeschreibliche Freude durchströmt meinen Körper: die Erfüllung eines Kindheitstraums.» Dies spürt man auch in jeder einzelnen Filmeinstellung.